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Text für Verwaltungsmitteilung

 

Die Stadt Taunusstein übernimmt ihre Verantwortung für die Wiederbewaldung der Kalamitätsflächen im Taunussteiner Stadtwald und hat dafür ein erstes Konzept als Grundsatzpapier erarbeitet, welches zum frühestmöglichen Termin, direkt nach der Einbringung in die politischen Gremien, an die Interessengruppen kommuniziert wurde. Am 21. Okt 2021 fanden die ersten Informationsgespräche zu dem Thema „Zukünftige Organisation des Taunussteiner Stadtwaldes: Bürgerwald in kommunalpolitischer Verantwortung“ mit einem regen Gedankenaustausch statt.

 

In der Beschlussvorlage – DRS. 21/210 sind folgende Beschlusspunkte vorgesehen, die am 10.11.2021 im SUM und am 25.11.2021 in der Stadtverordnetenversammlung diskutiert werden bzw. zum Beschluss vorliegen:

 

  1. Die Umsetzung des Konzepts „Bürgerwald in kommunalpolitischer Verantwortung“ mit seinen wesentlichen Bestandteilen (Einführung der Naturnahen bzw. Naturgemäßen Waldwirtschaft/Dauerwald; Wildbewirtschaftung- Jagd; Organisation der Bewirtschaftung; Reduzierung des jährlichen Hiebssatzes für Laubholz um 50 %, Aufhebung des Hiebsatzes für Fichten) wird beschlossen.
  2. Es wird eine Kommission zur Begleitung und Umsetzung des Projekts „Bürgerwald in kommunalpolitischer Verantwortung“ gemäß § 72 HGO gebildet. Die formale Einsetzung erfolgt in einer separaten Beschlussvorlage.
  3. Der Einschlagstopp für gesunde Buchen (DRS. 19/245-01) wird aufgehoben.
  4. Die Forsteinrichtung 2017 (RS.16/244-01) wird mit den Änderungen aus der „Ergänzende Unterlage zur Forsteinrichtung aus 2017 im Stadtwald Taunusstein“, Verfasser: Sachverständiger für Forstwirtschaft Peter Bachmann, Büro für angewandte Ökologie und Forstplanung (BÖF), Kassel, Juni 2021, fortgeschrieben.
  5. Die Vorlage wird über den Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Mobilität an die Stadtverordnetenversammlung zur endgültigen Beschlussfassung überwiesen.

 

In dem Positionspapier der Taunussteiner Ortslandwirte, Jagdgenossenschaftsvorsitzenden und Jagdrevierpächtern vom 25.10.2021 (siehe Anlage) wird die zentrale Forderung der Beibehaltung der bestehenden gemeinschaftlichen Jagdbezirke sowie der Revierverpachtung (Revierjagdsystem) gestellt.

 

Die von der Stadt erstellten Gutachten zeigen in einem ersten Schritt die Probleme im derzeitigen Wald auf und stellen Grundsatzkonzepte vor, wie ein klimastabiler Wald auf den Kahlflächen entstehen kann.

 

Wie der Beschlussvorlage oben zu entnehmen ist, handelt es sich um eine Grundsatzentscheidung, bei denen die vertiefenden Lösungsansätze in einem zweiten Schritt in der Magistratskommission mit Vertretern aus den Parteien, den Umweltverbänden, der Landwirtschaft, der Jagd, dem Forst, dem Holzkontor und Experten Wald und Jagd gemeinsam erarbeitet werden sollen. Bei diesen Gesprächen gilt der Grundsatz Wald vor Wild, damit sich ein klimastabiler Wald entwickeln kann.

 

 

Zu den aufgeführten Fragen in dem Positionspapier nehmen wir wie folgt Stellung:

 

  1. Die der Beschlussvorlage beigefügten Waldgutachten sind vollständig, weitergehende Informationen sind noch nicht erarbeitet. Die Stadt ist als Eigentümer des Waldes im ersten Schritt mit den Waldbelangen gestartet um im zweiten Schritt die vertiefenden Themen mit den Beteiligten zu diskutieren und zu erarbeiten.
  2. Der Verlust von 300.000 €/Jahr wurde nach allgemeingültigen Ansätzen der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) pro ha Wald ermittelt. Für die Stadt Taunusstein ist nicht die Höhe des in dem Gutachten benannten Schadens der wesentliche Punkt, sondern der entstehende ökologische Verlust, dass so kein artenreicher und damit klimastabiler Wald entstehen kann. Besonders betrifft dies die jungen Sämlinge anderer Baumarten als Buche und Fichte, die schon im kleinsten Wuchs vom Wild weggefressen werden. Diese werden somit nicht als Verbiss Schäden erfasst. Aus diesem Grund ist ein Verbissgutachten nicht im vollen Umfang aussagefähig.
  3. Die in dem Gutachten beschriebenen überhöhten Reh- und Rotwildbestände ist nicht eine definierte Stückzahl/ha gemeint, sondern ein gestörtes Gleichgewicht zwischen Wald und Wild. Unser Ziel ist ein Wald, der eine Chance hat sich ohne großflächigen Schutzeinrichtungen artenreich und klimastabil zu entwickeln. Messbar ist das mit Gatterungen (Weiser Gatter) wie z.B. derzeit in Neuhof, bei denen ein Vergleich der Vegetation innerhalb und außerhalb des Gatters möglich ist. Solange innerhalb des Weiser Gatters durch Naturverjüngung zahlreiche verschiedene Arten wachsen und außerhalb des Gatters eine deutlich geringere Artenvielfalt entsteht, liegt ein überhöhter Reh- bzw. Rotwildbestände vor. Eine genaue Zählmethode des Wildbestandes im Wald ist uns nicht bekannt, Wildbestände werden in der Regel geschätzt. „Ein Indiz für die Rehdichte bzw. Bejagungsintensität ist die Wildunfallstatistik. Verkehrsverluste von ca. 23% (Taunusstein ca. 25%) der gesamten Jagdstrecke Rehe zeigen, dass durch die Jagd nicht einmal annähernd der Nachwuchs „abgeschöpft“ wird. In Regionen mit konsequenter Rehbejagung und angepassten Dichten passieren so gut wie keine Verkehrsunfälle mit Rehen.“  (siehe Anlage 2 Artikel „Rehe mit Raum – angepasste Rehwildbestände“)
  4. Die Erkenntnis des Gutachters, dass die Wiederaufforstung nur gelingen kann, wenn Forst und Jagd in einer Hand liegen beruht zum einen auf jahrzehntelangen Erkenntnissen des Gutachters in seinem eigenen Wald sowie aus 20 Beispielrevieren der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) verteilt in ganz Deutschland, die aus Jagd- und Waldbaupraxis heraus Wege gefunden haben, die beweisen, dass die Balance Wald – Wild geht. Diese bietet die ANW auch als Exkursionsziele an. Parallel dazu hat die ANW mit dem 6-jährigen BioWild-Projekt wissenschaftlich fundierte Ergebnisse anzubieten, die die Praxiserfahrungen ergänzen. Auch der Landesjagdverband Baden-Württemberg vertritt die Position, dass der Eigentümer durch Regiebejagung die Möglichkeit bietet, die Waldentwicklung (Schadensproblematik) unmittelbar zu steuern und direkt Einfluss auf den praktischen Jagdbetrieb zu nehmen (siehe Anhang d des Positionspapiers). Durch das neue Konzept übernimmt die Stadt als Eigentümer eine größere Verantwortung für den kommunalen Wald. „Wald und Jagdnutzung in einer Hand kann Konfliktsituationen vermeiden, die sich aus unterschiedlichen Zielsetzungen der Nutzer ergeben.“ (Zitat Landesjagdverband Baden-Württemberg)
  5. Folgende Forstbetriebe sind Beispielreviere zum Thema Biowildprojekt:
    Stadtwald Villingen-Schwenningen
    Baar-Schwarzwald – Forstbetrieb Fürst zu Fürstenberg Donaueschingen
    Forstbetrieb Großer Grassert GbR
    Spessart – Stadtwald Lohr am Main
    Jagdgenossenschaft Kay
    Forstbetrieb Buchenwäldchen
    Forstbetrieb Michael Duhr
    Hatzfeldt-Wildenburg`sche Verwaltung Brandenburg
    Forstbetrieb Hirschfelde
    Dr. Lucius`sche Forstverwaltung (Christian von Bethmann)
    Gut Hohenhaus
    Forstbetrieb Fam. Maltzahn
    Forstbetrieb Kalebsberg
    Freiherr von Fürstenberg`sche Forstverwaltung
    Stadtforstamt Remscheid – Forstrevier Neyetal
    Forstbetrieb der Ortsgemeinde Großsteinhausen
    Forstrevier Alteburg
    Forstrevier Hochpochten
    Forstbetrieb Oberwald
    Gräflich Ortenburg`sche Forstverwaltung
    Hatzfeld-Wildenburg`sche Verwaltung Thüringen
    sowie Dauerwaldbetriebe z.B. der Stadtwald Gießen
  6. In dem Gutachten wurde auf Seite 3 unter dem Titel Konsequenzen auf die neue Priorisierung hingewiesen: Priorität 1: Schutzfunktionen, Priorität 2: Erholungsfunktion und Priorität 3: Nutzfunktion / Finanzerträge. Nach dem neuen Konzept ist oberste Priorität die Schaffung eines ökosystemgerechten und nachhaltigen Waldes. Das Gutachten hatte nicht die Aufgabe finanzielle Aufwendungen zu kalkulieren. Der Gutachter geht davon aus, dass im Stadtwald über einen Zeitraum von ca. 10 Jahren kein positives Jahresergebnis zu erwirtschaften sein wird. Nach derzeitigem Stand können keine Zahlen benannt werden. Im Rahmen der Magistratskommission werden diese Punkte erarbeitet.
  7. Der Gutachter hat diese Aussage aus seinen persönlichen allgemeinen Erfahrungen getroffen. Wir als Stadt sehen das als allgemeine Aussage des Gutachters, die nicht zwingend die Taunussteiner Jagdpächter betrifft.
  8. Die Organisation der Jagd wird in der Magistratskommission gemeinsam erarbeitet. Erfahrungen aus den o.g. Betrieben und Literatur aus den Anlagen zeigen, dass durch eine intensivere Bejagung von Reh- und Schwarzwild auch positive Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Flächen erreicht werden. Aufgrund des allgemeinen Zustandes des Waldes durch die Kalamitäten wird die Stadt auf eine Erhöhung der Abschussquoten bei der Unteren Jagdbehörde drängen.
  9. Auch diese Aussage hat der Gutachter aus seinen persönlichen allgemeinen Erfahrungen getroffen. Wir als Stadt sehen das als allgemeine Aussage des Gutachters, die nicht zwingend die Taunussteiner Situation betrifft. Durch die Übernahme der Verantwortung durch die Stadt und die damit verbundene Einstellung eines Jagdkoordinators sollen auftretende Konflikte frühzeitig erkannt und deeskaliert werden. Hierunter fallen Konfliktfelder wie z.B. freilaufende Hunde im Revier.  

 

 

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Anlagen

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