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Beschlussvorschlag:

 

  1. Die Umsetzung des Konzepts „Bürgerwald in kommunalpolitischer Verantwortung“ mit seinen wesentlichen Bestandteilen (Einführung der Naturnahen bzw. Naturgemäßen Waldwirtschaft/Dauerwald; Wildbewirtschaftung- Jagd; Organisation der Bewirtschaftung; Reduzierung des jährlichen Hiebssatzes für Laubholz um 50 %, Aufhebung des Hiebsatzes für Fichten) wird beschlossen.
  2. Es wird eine Kommission zur Begleitung und Umsetzung des Projekts „Bürgerwald in kommunalpolitischer Verantwortung“ gemäß § 72 HGO gebildet. Die formale Einsetzung erfolgt in einer separaten Beschlussvorlage.
  3. Der Einschlagstopp für gesunde Buchen (DRS. 19/245-01) wird aufgehoben.
  4. Die Forsteinrichtung 2017 (RS.16/244-01) wird mit den Änderungen aus der „Ergänzende Unterlage zur Forsteinrichtung aus 2017 im Stadtwald Taunusstein“, Verfasser: Sachverständiger für Forstwirtschaft Peter Bachmann, Büro für angewandte Ökologie und Forstplanung (BÖF), Kassel, Juni 2021, fortgeschrieben.
  5. Die Vorlage wird über den Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Mobilität an die Stadtverordnetenversammlung zur endgültigen Beschlussfassung überwiesen.

 

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Sachverhalt:

 

Ausgangslage

Ausgehend von dem schlechten Zustand des Stadtwaldes, der seit 2019 sehr stark unter Trockenheit und Schädlingsbefall durch Borkenkäfer leidet und den damit verbundenen Herausforderungen, soll eine zukunftsfähige und nachhaltige Form der Bewirtschaftung erfolgen.

Hierbei wurde neben dem vorhandenen Fachwissen unseres Wald- Dienstleisters Hessen- Forst der Kontakt zu externem Fachwissen gesucht.

 

Zunächst wurde Wohllebens Waldakademie als Gutachter beauftragt, eine Übersichtsanalyse zum Waldzustand und zur Waldbewirtschaftung des Stadtwaldes Taunusstein Stand August 2020 zu fertigen (siehe Anlage 1).

Grundlage des Gutachtens waren neben den von der Stadt zur Verfügung gestellten Unterlagen (Schlussbericht zur letzten Forsteinrichtung, Forstbetriebskarte, Forstwirtschaftsplan, Betriebsbuch der Waldabteilungen) auch eine Flächenbesichtigung im Stadtwald im Juli 2020.

In seinem Gutachten weist Wohlleben u. a. darauf hin, dass gesunde Fichtenbestände in Taunusstein selten vorzufinden sind. Ferner weist er darauf hin, dass dem „Nutzungsaspekt des Stadtwaldes das Hauptaugenmerk gewidmet wird. Schutz- und Erholungsfunktionen finden kaum Berücksichtigung.“ Anpflanzungen zur Wiederaufforstung, wie sie in Taunusstein durchgeführt wurden, werden unter betriebswirtschaftlichen Aspekten kritisch gesehen.

Zur weiteren Vertiefung des Themas und Hinzuziehung weiterer forstlicher Expertise wurde der Kontakt zum Bundesverband der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft e.V. (ANW) aufgenommen, der die Anfrage über die Landesgruppe Hessen der ANW e.V. an die Bethmann-Waldberatung weitergeleitet hat.

 

In einer ersten Gutachterlichen Stellungnahme der Bethmann Waldberatung vom 31.08.2020 (siehe Anlage 2) wird die Frage untersucht, inwieweit die von der Stadt Taunusstein beschlossenen Ziele der Bewirtschaftung, wie in der Forsteinrichtung 2017 beschrieben (RS.16/244-1 Schlussverhandlung Forsteinrichtung) in Hinblick auf die sich verändernden Rahmenbedingungen und den damit verbundenen Holzvorratsverlust der letzten Jahre noch realistisch und damit umsetzbar sind.

Grundlage des Gutachtens waren neben den von der Stadt zur Verfügung gestellten Unterlagen (Forsteinrichtung 2017, Forstbetriebskarte, Forstwirtschaftspläne 2019 und 2020, Jahresergebnisrechnungen, Aufstellung Jagdpachteinnahmen, Beschlussvorlage RS. 16/244-01- Schlussverhandlung Forsteinrichtung) auch eine Flächenbesichtigung im Stadtwald im August 2020.

Der Gutachter stellt fest, dass das vorliegende Forsteinrichtungswerk (Stichtag 01.01.2017) fachlich einwandfrei die in dem Bearbeitungsjahr 2016 festzustellende Holzvorratssituation, Witterungs- und Wuchsverhältnisse wiedergibt.

Er verweist darauf, dass in der Forsteinrichtung der Arten- und Biotopschutzfunktion parallel zur Erholungsfunktion höchste Priorität genießen solle. Die Holzproduktion und ein finanzieller Nutzen sollen sich diesen prioritären Funktionen unterordnen. Bei insgesamt günstigen Wuchsbedingungen für die Holzproduktion wird davon ausgegangen, dass eine nachhaltige Mehrzwecknutzung im Wald möglich sei.

Entgegen der Annahmen der Forsteinrichtung 2017 haben sich die Rahmenbedingungen seit 2018 massiv verändert:

  • Klimabedingt ist das Wuchspotential reduziert
  • Verlust an Holzvorrat, insbesondere bei der Fichte durch den Borkenkäfer
  • Verlust an Holzzuwachs durch fehlende produktive Baumbestände
  • Erheblicher Aufforstungsbedarf bei flächigem Verlust der Bestände

Dies führt dazu, dass sich die Eckpunkte für die Holzproduktion und der damit verbundenen Erwirtschaftung von Überschüssen aus dem Holzverkauf deutlich reduziert haben. Bei fehlenden Erträgen aus dem Holzverkauf und traditioneller Aufforstung, einschließlich den damit notwendigen Wildverbiss- Schutzmaßnahmen, wären künftig hier erhebliche Mittel durch die Stadt aufzubringen.

Daher empfiehlt der Gutachter zunächst die Forsteinrichtung 2017 zu überarbeiten. Besonderes Augenmerk solle hierbei auf die Ermittlung der Holzvorratssituation mit den reduzierten Zuwachsverhältnissen gelegt werden, um eine realistische Kalkulationsgrundlage für den jährlichen Hiebssatz zu erhalten.

Weiter führt er aus, dass die prioritäre Zielsetzung der Bewirtschaftung im Bereich Schutz- und Erholungsfunktion klarer im Sinne der einzelnen Schutzbereiche formuliert werden solle, um hieraus konkrete Handlungsanweisungen für den Bewirtschafter ableiten zu können.

Mit umfangreicher Beteiligung von Politikern, Bürgern, Interessenvertretern und weiterer gesellschaftlich relevanter Gruppen könne der Umbau des Stadtwaldes unter dem Leitbild Bürgerwald in kommunalpolitischer Verantwortung erfolgen. Der Umbau solle, wie in der Forsteinrichtung 2017 bereits festgelegt, dem Konzept der „Naturgemäßen Waldwirtschaft“ folgen.

Der Bewirtschaftungsansatz der Naturgemäßen Waldwirtschaft wird vom Gutachter als alternativloser Weg erachtet, um mit „vergleichsweise überschaubaren finanziellen Aufwand den Stadtwald mittelfristig wieder in einen multifunktional leistungsfähigen Zustand zu entwickeln. Die ganzheitliche Herangehensweise der Naturgemäßen Waldbewirtschaftung …gewährt im Idealfall eine Reduktion der Wiederbewaldungskosten… und berücksichtigt gleichzeitig alle weiteren Funktionsbereiche des Waldes.“

Zur Zielerreichung verweist der Gutachter auf die dringende Anpassung (Reduktion) von überhöhten Wildbeständen, insbesondere bei Reh- und Rotwild als wiederkäuende Schalenwildarten in Taunusstein. Eine Reduktion ist nicht nur notwendig für die Naturverjüngung in den Beständen, sondern auch in der Entstehung einer blüten- und artenreichen Kraut- und Strauchschicht, die wiederum eine herausragende Rolle für die Artenvielfalt in der Insekten- und Vogelwelt darstellt. Geringere Wildbestände führen zu einer höheren Baumvielfalt im Wald.

Die finanziellen Schäden im Taunussteiner Stadtwald, bedingt durch einen überhöhten Wildbestand schätzt der Gutachter auf mindestens 300.000,- Euro pro Jahr.

In Hinblick auf den großflächigen Wiederbewaldungsbedarf der kahlen Kalamitätsflächen könnten bei angepassten Wildbeständen die Waldflächen unter der Beteiligung der natürlichen Sukzession deutlich kostengünstiger wieder aufgeforstet werden. Einerseits ist es sinnvoll, die Kahlflächen zur Einbringung klimastabilerer Mischbaumarten zu nutzen, gleichzeitig sollte auf nennenswerten Flächenanteilen die Sukzession von Pionierwaldstrukturen akzeptiert werden, die dann später (5 bis 15 Jahren) kontinuierlich mit Mischbaumarten unterpflanzt werden können. Diese Procedere sichert kurzfristig den Aufbau der Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes und erlaubt kostengünstig den Wiederaufbau der Holzproduktion im Schutz des natürlichen Pionierwaldes.

Wildtiermanagement ist integraler Bestandteil der Waldbewirtschaftung und sollte von der Eigentümerseite organisiert und verantwortlich geleitet werden. Die angestrebte Reduktion des Wildschadens finanziert kalkulatorisch den zunächst auszuweisenden Aufwand im Bereich der Jagdkosten. Der Gutachter weist darauf hin, dass die Erlöse aus der Jagdpacht deutlich niedriger sind als die zu kalkulierenden Wildschäden im Taunussteiner Stadtwald.

Zur konsequenten Neuausrichtung und Verfolgung der festgelegten Bewirtschaftungsziele sollte das Organisationsmodell der Stadtwaldbewirtschaftung überdacht werden.

Auf Empfehlung des Gutachters Bethmann wird die Forsteinrichtung überarbeitet, beziehungsweise ergänzt.

 

Die Ergänzende Unterlage zur Forsteinrichtung aus 2017 im Stadtwald Taunusstein vom Juni 2021 (siehe Anlage 3) des Büros für angewandte Ökologie und Forstplanung (BÖF), Kassel dient als Grundlage für forstliches Handeln. Ziel war es hierbei, die Auswirkungen der Kalamitäten insbesondere auf die Vorratssituation der Fichte im Stadtwald darzustellen.

Folgende Unterlagen wurden dem Büro BÖF zur Verfügung gestellt: Forsteinrichtung (2017), Forstwirtschaftskarte (2017), Forstgrundkarte (2017), Betriebsvollzugsbuch (Stand 2020), Naturalkontrolle (2020), Schlussbericht zur Forstbetriebsplanung (26.09.2017), Forstwirtschaftsplan (2019), Jahresergebnisse (2017-2019), Übersichtsanalyse zum Waldzustand und zur Waldbewirtschaftung des Stadtwaldes Taunusstein- Wohllebens Waldakademie GmbH& Co.KG (2020). Ortsbesichtigungen im Taunussteiner Wald fanden im Mai und Juni 2021 statt.

Der Verfasser beschreibt ausführlich die im Stadtwald vorgefundene Situation, verbunden mit dem Hinweis, dass sich der Zustand der Fichtenbestände weiterhin massiv verschlechtern wird.

Es erfolgt der Hinweis, dass fast die Hälfte der Fichtenflächen zum Stichtag Juni 2021 in den letzten drei Jahren den Kalamitäten zum Opfer gefallen sind. Der Gutachter geht davon aus, dass der Fichtenvorrat in Taunusstein vermutlich bis Ende 2023 komplett verloren sein wird.

Weiter beschreibt der Gutachter, dass auch die Buchenbestände aus Gutachtersicht besorgniserregend sind. Die Vitalität sei stark reduziert, es komme einzelstammweise zum Absterben von Buchen in einem nie dagewesenen Umfang. Der geplante Nutzungsansatz in den älteren Buchenbeständen erscheint zu hoch.

„In den kommenden 2 bis 3 Jahren wird je nach Aufarbeitungskapazität in der Fichte und Nutzungskonzept insbesondere in den von den Kalamitäten betroffenen Buchenaltbeständen noch von einer deutlich erhöhten Nutzung gegenüber dem geplanten waldbaulichen Hiebssatz von 14.700 Festmetern/Jahr auszugehen sein. Nach der Aufarbeitung der vorhandenen und noch erwarteten Kalamitätsmassen in der Fichte und Buche wird der Hiebssatz schon mittelfristig (vermutlich ab 2023 oder 2024) sehr stark zurückgehen. Es ist davon auszugehen, dass er bei der Fichte …auf nahezu 0 fallen wird. Auch in der Buche erscheint der geplante Hiebssatz zu hoch…“.

Der jährliche Hiebssatz ist entsprechend anzupassen.

Bei der Aufarbeitung des Kalamitätsholzes ist der Marktpreis für Holzprodukte zu betrachten, aber vor allem weitere Punkte wie der Nährstoffentzug oder der Reduzierung von Biomasse.

In jedem Fall sind Verkehrssicherungsmaßnahmen entlang von Wegen durch die Herausnahme von Bäumen durchzuführen.

Zur Wiederbewaldung der Flächen führt der Gutachter aus, dass es hier mehrere Möglichkeiten gibt. Dies sind flächige- oder teilflächige Bepflanzungen, Initialpflanzungen oder der Verzicht auf Pflanzungen mit der Folge, dass Flächen dann der Sukzession überlassen werden. Der Gutachter geht davon aus, dass es hier zu einer Kombination aller Möglichkeiten kommen wird, abhängig von den jeweiligen Rahmenbedingungen.

Grundlage der Wiederbewaldung ist eine Regulierung der Wildbestände auf ein waldbaulich verträgliches Maß. Die aktuelle Verbisssituation im Stadtwald ist entmutigend, die Schälschäden nehmen zu. Eine Bejagung in der notwendigen Intensität ist nicht über eine Verpachtung, sondern ausschließlich über die Bejagung in Eigenregie möglich. Nach Gutachtermeinung ist die Bejagung in Eigenregie die Voraussetzung für eine erfolgreiche Wiederbewaldung und den angestrebten Umbau der Waldbestände.

 

Zur Erstellung einer Entscheidungsgrundlage, wie künftig in Taunusstein der Stadtwald zu bewirtschaften sei, wird der Gutachter Christian von Bethmann/ Waldberatung Bethmann beauftragt, das Konzept Bewirtschaftung Stadtwald Taunusstein (siehe Anlage 4) zu erstellen (14. Juli 2021).

Grundlage des Gutachtens waren neben den von der Stadt zur Verfügung gestellten Unterlagen (Forsteinrichtung 2017, Forstbetriebskarte, Forstwirtschaftspläne 2019, 2020 und 2021, Jahresergebnisrechnungen 2017,2018 und 2019, Aufstellung Jagdpachteinnahmen, Beschlussvorlage RS. 16/244-01- Schlussverhandlung Forsteinrichtung, Gutachterliche Stellungnahme zum Stadtwald Taunusstein vom 31.08.2020, Ergänzende Unterlage zur Forsteinrichtung 2017 vom 01.07.2021- BÖF/ Bachmann) auch Flächenbesichtigungen im Stadtwald Taunusstein.

Aufbauend auf die Einschätzungen des Gutachters Peter Bachmann zu Vitalität und Zukunftsaussichten der Waldflächen sieht sich Herr Bethmann bestätigt, dass sich im Taunussteiner Stadtwald um großflächige Auflösungen der Bestände dreht. Der Taunussteiner Stadtwald befindet sich in einer existentiellen Krise.

Mit der Neustrukturierung des Stadtwaldes soll an erster Stelle der Stadtwald in seinen unterschiedlichen Schutzfunktionen durch eine entsprechende Bewirtschaftung gestärkt werden.

Als zweite Priorität soll der Wald ein Angebot als Ort der Regeneration und Besinnung an seine Bürger und Gäste darstellen und somit eine Erholungsfunktion übernehmen. 

Als dritte und damit untergeordnete Priorität soll der Wald in seiner Nutzfunktion maximale wirtschaftliche Finanzerträge erwirtschaften.

Aus der Neugewichtung der zuvor beschriebenen Prioritäten entwickelt der Gutachter seinen Arbeitstitel zur Neustrukturierung des Waldes mit dem Arbeitstitel:

 

Bürgerwald in kommunalpolitischer Verantwortung

 

Folgende Arbeitsschwerpunkte sollen hierzu umgesetzt werden:

 

  1. Einführung der Naturnahen oder Naturgemäßen Waldwirtschaft / Dauerwald

Hierunter versteht der Gutachter, ein Maximum an zeitgleichem und konfliktfreiem Verfolgen von ökologischen und ökonomischen Zielen zu erreichen. Eine Stärkung der natürlichen Resilienzkräfte der Wälder ist bei der Wiederbewaldung anzustreben. Bei den Konzepten zur Wiederbewaldung sollen Pionier- und Mischbaumarten hohe Beachtung finden. Großflächige Aufforstungen sind weder ökologisch noch ökonomisch zu empfehlen. Durch einen hohen Anteil an Naturverjüngung wird die genetische Vielfalt gestärkt.  

 

  1. Wildbewirtschaftung- Jagd

Auf angepasste Wildbestände ist zu achten. Derzeit geht der Gutachter von jährlichen Verbissschäden in Höhe von min. 300.000,- Euro pro Jahr im Stadtwald aus. Voraussetzung zur Umsetzung der Naturnahen Waldwirtschaft ist die umfassende Übernahme aller Jagdflächen in Eigenregie als Eigenjagdbezirke der Stadt Taunusstein. In das jagdliche Konzept sind Bürger und Bürgerinnen mit Jagdscheinen einzubinden. Die Jagd findet künftig unter Anleitung der kommunalen forstlichen Beschäftigten statt.

 

  1. Organisation der Bewirtschaftung

Eigene kommunale Mitarbeiter ermöglichen eine intensive naturnahe und bürgernahe Bewirtschaftung des Stadtwaldes und können die Interessen, Aufgaben und politischen Vorgaben ihres Arbeitgebers zeitlich flexibel erfüllen. Die Arbeitsschwerpunkte der von Hessen Forst angebotenen Dienstleistungen beziehen sich weitestgehend auf die Holzproduktion. Künftig ist mit dem Rückgang von Aufgaben in der Holzproduktion zu rechnen. Zunehmen werden die Aufgaben in Verbindung mit der von der Stadt angestrebten Bürgernähe und des Jagdbetriebes. Im Rahmen der Eigenbewirtschaftung sind zudem die personellen und maschinellen Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem städtischen Bauhof über das derzeitige Maß hinaus zu untersuchen. Zusätzlich ist zu prüfen, wo und in welchem Rahmen die notwendige Infrastruktur eines Forstgehöftes entwickelt werden kann.

 

  1. Anpassung des Jährlichen Hiebssatzes

Es ist davon auszugehen, dass in Taunusstein bei der Fichte mittelfristig von einem Totalausfall als Wirtschaftsbaumart ausgegangen werden muss. Die Einschätzung der Vitalitätsentwicklung bei der Buche ist schwierig. Daher sollten hier halbwegs intakte Bestände nicht durch einen zu schnellen Nutzungsgang der Althölzer zusätzlich geschwächt und Klimaeinflüssen von außen preisgegeben werden.

Der Schwerpunkt in der Bewirtschaftung liegt in den kommenden Jahren in der Durchführung von kostenintensiven Maßnahmen im Rahmen der Verkehrssicherung. Dies gilt insbesondere entlang von Straßen und Waldrändern; weniger den Waldinnenbereich betreffend. Die Bevölkerung muss regelmäßig auf die erhöhte Unfallgefahr im Wald hingewiesen werden. Das Betreten des Waldes geschieht auf eigene Gefahr.

Der Gutachter geht davon aus, dass im Stadtwald über einen Zeitraum von ca. 10 Jahren kein positives wirtschaftliches Jahresergebnis zu erwirtschaften sein wird.

 

Fazit- weiteres Vorgehen:

 

Aus den in der Ausgangslage dargestellten Fakten und Einschätzungen der Gutachter, schlägt die Verwaltung nachgehende Vorgehensweise vor:

  • Eine Bewirtschaftung des Taunussteiner Stadtwaldes findet in der zuvor beschriebenen Form als Dauerwald mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit weiterhin statt.
  • Der Magistrat beruft eine Kommission ein, die den Prozess der Umwandlung in einen „Bürgerwald in kommunalpolitischer Verantwortung“ begleitet. Hierbei sind gesellschaftlich relevante Gruppen einzubeziehen.
  • Der Magistrat führt Gespräche mit Hessen- Forst über eine Beendigung der Beförsterung durch Hessen- Forst. Angestrebter Zeithorizont ist hierbei der 01.01.2024. In der Übergangszeit wird die Bethmann-Waldberatung dem Waldbesitzer beratend zur Seite stehen.
  • Der Magistrat wird den Stellenplan für 2023 um zwei Stellen für kommunale Revierförster zur Bewirtschaftung des Stadtwaldes im gehobenen Forstdienst erweitern. Die Gegenfinanzierung erfolgt durch den Wegfall der Beförsterungskosten durch Hessen Forst und Reduzierung von Vermögensschäden durch Wildverbiss im Wald.
  • Der Einschlagstopp für gesundes Buchenholz (DRS. 19/245-01) wird aufgehoben.
  • Die Forsteinrichtung 2017 (RS.16/244-01) wird mit den Änderungen aus der „Ergänzende Unterlage zur Forsteinrichtung aus 2017 im Stadtwald Taunusstein“, Verfasser: Sachverständiger für Forstwirtschaft Peter Bachmann, Büro für angewandte Ökologie und Forstplanung (BÖF), Kassel, Juni 2021, fortgeschrieben.
  • Die in den Jahren 2023 bzw. 2024 auslaufenden Jagdpachtverträge in Watzhahn und Seitzenhahn werden nicht verlängert. Die Übernahme der Jagd in diesen Revieren wird neu organisiert. In das jagdliche Konzept sind Bürger und Bürgerinnen mit Jagdscheinen einzubinden. Die Organisation der Jagd in den übrigen Jagdpachtrevieren soll nach den dann gesammelten Erfahrungen erfolgen.

 

 

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