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Text für Verwaltungsmitteilung:

Nachdem das Land Hessen bereits die technische Auslagerung der IT mit rd. 70.000€ gefördert hat, wurde die Stadt nun im Rahmen der Digitalisierungsstrategie des Landes Hessen als eine von hessenweit 15 wegweisende Einzelprojekte ausgewählt. Insgesamt vier Digitalvorhaben werden dabei durch das Land gefördert. Die Zuwendungsvereinbarung wurde am 31.05.2021 durch Herrn Innenminister Peter Beuth, Herrn Bürgermeister Sandro Zehner und dem ersten Stadtrat, Herrn Peter Lachmuth, unterzeichnet und der Zuwendungsbescheid in Höhe von 65.000 Euro übergeben.

 

Was wird im Einzelnen gefördert?

 

  1. Schnittstelle zwischen den Finanzämtern des Landes Hessen und der neuen Rechnungswesenssoftware

Bislang sieht der Prozess in der Veranlagung von Grund- und Gewerbesteuer so aus, dass die jeweiligen Messbescheide den Kommunen in Papierform täglich per Post zur Verfügung gestellt werden. Diese werden dann jeweils händisch durch die jeweiligen Mitarbeiter/innen in der jeweiligen Rechnungswesenssoftware erfasst.

Die Schnittstelle soll zum Ziel haben, dass die Daten der Messbescheide durch die Finanzämter digital zur Verfügung gestellt werden und damit in die Software übernommen werden.

Dadurch können erheblichen personelle Ressourcen intern eingespart und die Qualität der Daten und damit der ausgehenden Grund- und Gewerbesteuerbescheide erhöht werden.

Diese Verfahren ist auf alle Kommunen und Finanzämter übertragbar, die Umsetzung erfolgt digital, mit eigenem Personal und der Bürger partizipiert über qualitätsgesicherte Bescheide, die in letzter Konsequenz (in Verbindung) mit der Rechnungswesenssoftware, digital zur Verfügung gestellt werden.

 

  1. Schnittstelle zwischen unserer Bewerbungssoftware „Check-in“ und der Personalmanagementsoftware „LOGA“ bzw. der Digitale Personalakte (DMS)

Bewerbungsverfahren finden in Taunusstein schon derzeit ausschließlich online statt. Die Bewerbungen gehen über die Plattform „Check-in“ online ein und werden online von den Führungskräften, dem Personalbereich, dem Personalrat, der Gleichstellungsbeauftragten und der Schwerbehindertenvertretung gesichtet. Nach Durchführung der Vorstellungsgespräche wird der Einstellungsbeschluss ebenfalls durch eine entsprechende Markierung digital erteilt.

Die Schnittstelle soll nun zukünftig die Möglichkeit bieten, die persönlichen Daten des oder der zukünftigen Mitarbeiter/in direkt in die Personalmanagementsoftware „LOGA“ zu übernehmen und die bereits in Check-in vorhanden Dokumente (Lebenslauf usw.) in die (noch zu erschaffende) Digitale Personalakte zu transferieren. Auch hier werden Personalressourcen gespart, der/die Bewerberin muss die Unterlagen nicht doppelt nachreichen.

Die Schnittstelle ist sicherlich für alle Kommunen nutzbar, die über das Personalabrechnungssystem „LOGA“ verfügen.

 

  1. Entwicklung einer Plattform zur Information und Kommunikation rund um Projekte, inkl. Option von Bürgerfragen, Beteiligungsmöglichkeiten, Umfragen, etc..

Die Beteiligung der Bürger/innen einer Stadt an Entscheidungsprozessen ist meist durch formelle Vorgaben geregelt. Eine darüberhinausgehende Beteiligung findet situationsbedingt bisher in Einzelfällen statt, sie ist aber bisher weder durch Verbindlichkeit noch durch standardisierte Werkzeuge gekennzeichnet.

Die derzeitige Corona-Krise zeigt derzeit an vielen Stellen, dass eine breit angelegte und verstärkt digitale Form der Kommunikation und Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger notwendig sind, um die Möglichkeit der Diskussion zu eröffnen, Partizipation zu ermöglichen, um damit auch die Akzeptanz von Beschlüssen und Entscheidungen zu erhöhen.

 

Der mitunter gern gegangene Weg, die Planungen lediglich auf der Fachebene nach vorne zu bringen und dann über fertige Ergebnisse lediglich zu informieren, birgt das große Risiko, dass selbst berechtigte Einwände und Kritik zu diesem Zeitpunkt der Planung nur mit hohem Zusatzaufwand berücksichtigt werden können.

 

Ein unstrukturierter oder nicht stattfindender Dialog führt häufig zu mehr Kosten und beschädigt mitunter nachhaltig das Vertrauen in Politik und Verwaltung, Vorhaben zielführend umzusetzen. Was droht, ist ein Teufelskreis für alle weiteren Projekte: Durch fehlendes Vertrauen werden Vorhaben von vorneherein misstrauisch betrachtet und damit auch häufiger kritisiert, problematisiert und in Frage gestellt.

 

Die digitale Plattform soll zentral alle Projekte (nicht nur Bauprojekte) der Stadt in eine Übersicht bringen – denn oft sehen Bürgerinnen und Bürger auch nur das, was sie direkt betrifft. Die Vielzahl und oft voneinander abhängigen Projekte können so übersichtlich dargestellt werden.

Für jedes Projekt wird eine Beschreibung, Ziele usw. sowie der geplante Zeitrahmen angelegt. Zusätzlich können – ganz nach Bedarf und Projektstatus – zusätzliche interaktive oder informative Elemente hinzugeschaltet werden: Ideeneinreichung, Umfrage, Freischaltung weiterer Informationen, Abstimmung, Diskussionsrunde, Livevideo usw. usw.

 

Statt sich für jedes Projekt in Zusammenarbeit mit Öffentlichkeitsarbeit und Fachabteilung ein eigenes Toolset, bis hin zu Infowebseiten o.Ä. zu entwickeln, gibt es so eine verbindliche und standardisierte Plattform und entsprechend einheitliche Prozesse.

 

Diese Plattform mit Werkzeugen kann die Blaupause für viele andere Kommunen bilden. Mit dem grundsätzlichen Rahmen kann jede Kommune generell und auf Projektebene den Grad der Information und Partizipation individuell festlegen und damit ein leistungsstarkes und modernes Tool für die Ansprüche an bürgerliche Mitgestaltung effizient und krisenfest erfüllen.

 

  1. Entwicklung einer App „Taunusstein360“

Die Stadt Taunusstein möchte eine App entwickeln lassen, die es den Bürgerinnen und Bürgern aber auch den Besucher/innen ermöglicht, auf digitalem Wege die Stadt neu zu entdecken. Dabei soll der Nutzer die Möglichkeit haben mit seinem Mobilgerät verschiedene sog. Hotspots“ zu entdecken, die ihm interessante Geschichten und Bilder zu besonderen Orten im Stadtgebiet zeigen. Die Umsetzung soll über interaktive zoom-und klickbare 360-Grad Bilder erfolgen, sprich, der Nutzer kann sich am konkreten Ort „umschauen“, tiefer „hineingehen“ und sich weitere multimediale Inhalte und Informationen anzeigen lassen: Hier sind Videos mit offiziellen Vertretern, Zeitzeugen, Bürgerinnen und Bürgern usw. ebenso wie historisches Fotomaterial, Erläuterungen in Text oder Audio angedacht. Durch integriertes Geofencing bleibt die App ein enger Begleiter der Bürgerinnen und Bürger und ermöglicht im Alltag immer wieder den Blick über das gewohnte und oft nicht mehr wahrgenommene Angebot und die Geschichte der eigenen Stadt. Die Idee: Beim Weg zum Einkaufen, beim Spaziergang mit dem Hund – also auf eigentlich „bekannten“ Pfaden – gibt die App Push-Notifcations und weist beispielsweise auf historisch bedeutsame Orte hin, zeigt ein Bild, wie die Straße oder das Gebäude früher aussahen, usw. Im nächsten Schritt lassen sich mit dieser technischen Grundlage auch andere Themen erschließen: Wer am Rathaus vorbeigeht, erhält beispielsweise aktuelle Infos aufs Handy, an bestimmten Hotspots werden die offenen Jobs per Alert gemeldet etc. Geplant ist außerdem eine Kombination mit analogen Elementen, wie beispielsweise QR-Codes an bestimmten Orten zu platzieren. In der Verbindung sind so Audio-Wanderwege, Schnitzeljagden und viele weitere Möglichkeiten denkbar.

 

Zentral ist, dass die App sowohl junge und häufig schwer zu erreichende Zielgruppen anspricht als auch für ältere Menschen spannend und interessant ist. Der Fokus liegt nicht auf den Touristen, sondern es geht darum ansprechend, modern, teils spielerisch Geschichte näherbringen, die Identifikation mit der eigenen Stadt zu erhöhen, Zusammenhänge zu erklären und Verständnis zu erzeugen und eine wachsende Plattform zu schaffen. In ersten Gesprächen mit Entwicklern wurde deutlich, dass hier ein großes Potential liegt, eine entsprechende Blaupause für andere Kommunen zu schaffen und damit ein individualisierbares, aber eben auch bezahlbares Konzept beispielsweise für kleinere Gemeinden und Städte zur Verfügung zu stellen.