Stadt Taunusstein

Stadt Taunusstein
Die besondere Schönheit des Flüchtigen
03.01.2018
Die besondere Schönheit des Flüchtigen

Das Stadtmuseum Taunusstein zeigt in seiner Reihe Kunst im Schloss Arbeiten der Malerin Uta Weil. Der Titel: Farb-Flow. Die Ausstellung endet mit einer Finissage ab 19 Uhr am Sonntag, 11. Februar.

 

Uta Weil - 1964 in Frankenthal in der Pfalz geboren, Studium der Kunstpädagogik und Erziehungswissenschaften. Sie lebt und arbeitet in Wiesbaden.

„Die Kunst steckt in der Natur. Wer sie heraus kann reißen, der hat sie!“

Dieses programmatische Zitat, das so lakonisch, wie unschuldig daherkommt, steht überhaupt am Anfang der künstlerischen Auseinandersetzung mit so etwas Banalem, wie der Natur. Es stammt von Albrecht Dürer. Der hat sich vor rund 500 Jahren so geäußert. Seitdem hat die wilde Natur viel von ihrem durchaus bedrohlichen Charakter verloren und ist als domestizierte Form in gerne auch romantisch gefärbte Umweltwahrnehmungen und zeitgeistige Strömungen, eingeflossen.

So ist auch die Landschaft ein malerisches Sujet mit langer Tradition. Auch, wenn sie in der jüngeren Vergangenheit etwas in den Hintergrund getreten ist, ist sie doch ein kunstgeschichtlicher Evergreen und Dauerbrenner. Das mag daran liegen, dass die Landschaft nie das bloß visuell Wahrnehmbare geblieben ist. Die künstlerische Auseinandersetzung mit der weitläufigen Umgebung war immer ein Hantieren mit Projektionsflächen, die weit mehr einzufangen in der Lage sind, als die Topografie auf den ersten Blick hergibt. Die Natur ist in der Kunst und auch sonst immer mehr als nur Biomasse gewesen.

 

Die Ausstellung ist betitelt mit einem zusammengesetzten Kunstbegriff: „Farb-Flow“. Der erste Teil des Titels „Farbe“ erschließt sich noch recht augenfällig und augenblicklich. Der zweite Teil, „Flow“, kommt wenigstens zweigleisig daher. Der englische Begriff bezeichnet zunächst eine Materialeigenschaft, die Fließfähigkeit. Techniker hätten jetzt den Begriff Fließverhalten beziehungsweise Viskosität parat. Aber dieses Fließen ist viel mehr. Flow ist auch das Dahinfließen, Gleiten, das Strömen, sich Ergießen, inclusive Entspringen und und und… darüber hinaus ist ein „Flow“ eine erfolgreiche, auf einander aufbauende, Abfolge oder Reihung von Aktionen. Gewissermaßen das Talent oder die glückliche Fügung, die eins zum andern kommen lässt.

Der Flüssigkeits- beziehungsweise Zähigkeitsgrad des Mediums ist entscheidend für die Verarbeitung und den Charakter des Ergebnisses.

Die Bilder in dieser Ausstellung sind weder Aquarelle, noch Tuschen. Uta Weil arbeitet mit stark verdünnten Acrylfarben. Sie erzielt dabei diejenige lasierende Wirkung, die die Schichtung von Farben erlaubt, ohne dass die eine die andere auslöscht. Der Pinsel hinterlässt dabei die Spuren einer körperlichen, gestischen Aktion. Der Träger, das Papier, ist je nachdem wie glatt oder rau, wie saugfähig es ist, gestalterisch an dem Prozess nicht minder beteiligt.

 

Uta Weils Landschaften gibt es, sie hat sie erlebt. In Marokko oder im Süden Argentiniens in Patagonien. Die genaue Verortung spielt aber nun keine Rolle mehr. Die Landschaften sind als konkretes Gegenüber nicht länger von Belang. Sie finden sich nicht in einem Atlas, sondern in einer mentalen Karte wieder. Das Erinnerte ist als körperlose Blaupause parat, die aus einer flüchtigen Ahnung das, Zitat Klaus Lomnitzer, „atmosphärische Nachbild von Landschaft“, entstehen lässt.

Antriebsimpuls und ausführende Bewegung Uta Weils Arbeiten sind nachverfolgbar: Pinselführung, Geschwindigkeit, Druck, Sättigung. Die Bilder treten dem Betrachter ausnahmslos mit Leichtigkeit gegenüber. Fast schwerelos. Von Körperhaftigkeit befreit. Die Farben sind durchscheinend, der Auftrag flott, mit impulsivem Gestus aufs Papier gebracht. Dabei doch immer sacht und sanft. Was hier mit den Mitteln der Malerei atmosphärisch verdichtet wird, ist nicht mehr und nicht weniger als die, und nun Zitat Uta Weil, „besondere Schönheit des Flüchtigen“.

 

Museum im Wehener Schloss, Weiherstr. 6, 65232 Taunusstein-Wehen.

Öffnungszeiten: Di 10-13, Mi 10-20, Sa+So 14-17 Uhr.

Ausstellungsdauer: noch 09.01. bis 11.02.2018. Die Ausstellung endet mit einer Finissage am Sonntag, 11. Februar, ab 19 Uhr.

 

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